30.08.2025 von Raymond Rohner
In der Schweiz ist es nicht erlaubt, landwirtschaftliche Nutztiere im Wald weiden zu lassen. Das Waldgesetz zählt das Schälen von Bäumen und den Verbiss junger Bestände zu den schädlichen Nutzungen – und diese sind verboten. Es gibt jedoch Ausnahmen: So entstanden gewisse Landschaften, wie sie etwa in den Jurahöhen vorkommen, aufgrund der jahrhundertealten Tradition der Wald- und Wytweiden. Sie dürfen weiterhin auf diese Weise bewirtschaftet und gepflegt werden. Auch können kantonale Forstämter Ausnahmen für Projekte bewilligen, wenn sie dem Naturschutz und der Förderung der Biodiversität dienen. Die Zeitschrift forum 5|2025 stellte kürzlich ein spannendes Beispiel für eine Waldweideprojekt mit Engadinerschafen vor, die Grünerlen in der Bergwaldzone zurückdrängen helfen. Das Engadinerschaf zählt wegen seiner hohen Verbissrate zu den effizientesten Weidetieren im Kampf gegen das Verbuschen.
Und das Walliser Landschaf? Eignet es sich ebenso für Waldweideprojekte?
Durchaus! Einige unserer Züchterinnen und Züchter setzen das robuste Walliser Landschaf seit Jahren erfolgreich im Naturschutz, gegen die Verbuschung und zur Förderung der Biodiversität ein. Ein besonders interessantes Beispiel ist die Schafzucht der Klinik Barmelweid, im Rahmen ihres Projektes Naturpark. Marcel Blanc und David Lüthi pflegen das weitläufige Areal rund um die Klinik mit ihren elf Walliser Landschafen, darunter auch eine fünf Hektar grosse Waldweide.
Für deren Nutzung mussten sogar zwei Ausnahmebewilligungen eingeholt werden, da die Kantonsgrenze von Aargau und Solothurn mitten durch das Gebiet verläuft. Die Bewilligung ist an Auflagen geknüpft: Die Beweidung darf nur von Mai bis September stattfinden; danach muss der Litzenzaun entfernt werden, um Wildtieren den freien Zugang zur Waldfläche zu ermöglichen. Reichen die Schafe allein zur Eindämmung der Verbuschung nicht aus, muss zusätzlich von Hand nachgemäht werden – eine arbeitsintensive Aufgabe. In einem jährlichen Bericht dokumentieren die beiden Züchter für die Forstämter und lokalen Jagdgesellschaften, wie viele Schafe wann und in welcher der fünf Koppeln eingesetzt wurden. Durchschnittlich wechseln sie alle zwei bis drei Wochen die Koppel.
Marcel und David ziehen eine positive Bilanz: Im Vergleich zu den Pfauenziegen, die sie ebenfalls auf dem Areal einsetzen, bleiben Walliser Landschafe gerne innerhalb des Zaunes und junge Bäume müssen in der Weide weniger aufwändig geschützt werden. Am Ende jeder Weidesaison können die beiden Züchter zufrieden auf einen gelichteten Waldbestand und eine gesunde Herde blicken. Ihr Beispiel zeigt eindrücklich: Das genügsame Walliser Landschaf eignet sich hervorragend für Waldweideprojekte.


